Beratung oder Therapie

Die Grenzen zwischen Beratung und Therapie sind nicht eindeutig definiert. Deshalb habe ich Ihnen einige erste Unterscheidungen aus der Fachliteratur zusammengestellt, so dass Sie die beiden Begriffe dann vielleicht besser für sich einordnen können.

Ein wesentlicher Unterschied ist, dass es in der Therapie um eine Bearbeitung einer psychischen Störung mit „Krankheitswert“ geht. Das bedeutet, dass die Diagnose einer psychischen Erkrankung gestellt wird. Bei der Beratung geht es dagegen um Probleme ohne „Krankheitswert“. Relevant ist diese Unterscheidung  auch für die Abrechnung mit der Krankenkasse, da diese keine Beratungskosten trägt, sondern die Kosten nur übernimmt für eine psychische Störung mit „Krankheitswert“ und wenn diese mit einem sogenannten anerkannten Richtlinienverfahren behandelt wird.

Auch wird oft als Unterscheidungsmerkmal angeführt, dass die Therapie auf eine grundlegende, umfassende Veränderung des Menschen in seiner Persönlichkeit und seiner Interaktion mit der Umwelt zielt, während Beratung oft mehr zum Ziel hat, klar umrissene Probleme zu lösen und somit eher auch vorbeugend wirkt. Dies führt dann auch zu einem weiteren möglichen Unterscheidungspunkt. Das ist die Dauer. Therapie ist oft auf einen längeren Zeitraum angelegt als Beratung.

In meiner Erfahrung hat sich auch gezeigt, dass jede Klient*in den gemeinsamen Weg für sich anders bewertet, mal als Therapie mal als Beratung. Vielleicht ist es hier auch gar nicht so wichtig, die Begrifflichkeiten so zu trennen.

Die Begleitungen in meiner Praxis sind von unterschiedlicher Dauer, manche Menschen begleite ich über mehrere Jahre, manche nur einmalig, andere wiederum in festen regelmäßigen Abständen oder auch in Übergangszeiten wie z.B. nach einem stationären Aufenthalt.  Dauer, Abstände, Regelmäßigkeit orientieren sich an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen, die ich begleite. Gemeinsam können wir diese auch immer wieder zusammen anpassen.

In meiner Begleitung ist es mir wichtig, Menschen in belasteten Situationen zu unterstützen, so dass sie sich stabilisieren, ihre Lebensqualität verbessert wird, sie neue Wege entdecken und eigene Ressourcen (wieder) finden können. Dabei arbeite ich mit verschiedenen Methoden aus der Gesprächstherapie, den kognitiven Techniken, dem sinnorientierten sowie dem ressourcenorientierten Ansatz.

Abschließend möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass die Inanspruchnahme von Beratung, Therapie oder von Begleitung kein Zeichen von Schwäche, keine Schande und kein persönliches Versagen ist. Wir müssen nicht immer alles alleine mit uns ausmachen und wir müssen auch nicht immer alles alleine schaffen! Hilfe, Unterstützung und Begleitung anzunehmen ist vielmehr ein Zeichen von Stärke.  Wir merken, dass wir sind nicht alleine sind, wir merken, dass es uns besser gehen kann und darf und wir können dadurch Sicherheit, Stabilität, neue Schritte und Perspektiven entwickeln.

Foto: marwi