Kurze Geschichten über Leben und Tod


Foto: Carmen Mayer

 

Hier schreibe ich in regelmäßigen Abständen die Blogreihe: „Unterwegs im Kiez und anderswo – kurze Geschichten über das Leben und den Tod“

Immer wieder treffe ich im Kiez oder anderswo auf Menschen, die alle ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Tod und Trauer gemacht haben. Diese kleinen Alltagsgeschichten möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Tod und  Trauer treffen früher oder später alle von uns. Darüber zu sprechen, diese Themen mehr ins Alltägliche zu holen und Berührungsängste abzubauen, das ist mir wichtig.

 

Trauernde erwachsene Geschwister


Foto: Carmen Mayer

 

Oft vergessen und unsichtbar – trauernde erwachsene Geschwister

Als Jans Schwester Britt im Alter von 19 Jahren durch einen Autounfall am Potsdamer Platz starb, war Jan 22 Jahre alt. „Ich wurde meistens als erstes gefragt, wie es denn meinen Eltern ginge“, erinnert sich Jan heute. „Dass jemand fragt, wie es mir geht, das gab es kaum.“ „Trauernde erwachsene Geschwister“ weiterlesen

Der Tod kann auch was Schönes haben


Foto: Bollermann Grabmale

 

„Der Tod kann auch was Schönes haben“ – Grabmale von Bollermann

„Der Tod kann auch was Schönes haben“ sagt Alexander Parlow zu mir, der Ende letzten Jahres seine Mutter an einem Gehirntumor verloren hat. Zusammen mit seiner Schwester hat er seine Mutter anderthalb Jahre gepflegt und sie auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet. „Es war eine harte Zeit, aber es gab so viel schöne Momente, so viel Nähe, viele Dinge, die wir noch zusammen machen konnten und viele intensive und schöne Erinnerungen, die bleiben“.

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Sterbebegleitung während der Corona-Pandemie


Foto: Carmen Mayer

 

Sterbebegleitung im Krankenhaus während der Corona-Pandemie

Der  Ambulante Hospiz- und Familienbegleitdienst der Johanniter Berlin sowie fünf weitere ambulante Berliner Hospizdienste bieten in Kooperation mit der Charité Mitte eine ganz besondere Sterbebegleitung an – eine Sterbebegleitung für Menschen im Krankenhaus, die an Covid-19 erkrankt sind. So soll ein würdevoller Abschied gestaltet werden und keiner soll einsam sterben. You’ll never walk alone!

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Meine zweite Haut


Foto: Maria Mogren

 

Meine zweite Haut – Kleidung der verstorbenen Menschen

Vor einigen Jahren ist mein Vater gestorben und ich erbte seine blaue Strickjacke. Sie roch noch nach ihm und irgendwie hatte ich das Gefühl, wenn ich sie getragen habe, dass ich meinem Vater ganz nahe war.
Als vor drei Jahren ein sehr guter Freund von mir starb – ich fand ihn tot in seiner Wohnung – lag auf seinem Bett ein blaues Fußball-T-Shirt, ganz ordentlich zusammengelegt und gebügelt. Das hatte ich ihm vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt. Seine Mutter schenkte mir das T-Shirt und ich trage es jetzt oft, mindestens einmal in der Woche, dann ist mein Freund auch immer wieder mit dabei.

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Ein Mittagessen mit René


Foto: René Scherr

 

Auf ein Mittagessen mit René, der als Palliativpfleger arbeitet

Während eines gemeinsamen Mittagessens im schönen Hamburg-Altona, gab mir René Einblicke in seinen Arbeitsalltag auf der Palliativstation eines Uniklinikums.
René ist seit über 20 Jahren in diesem Bereich tätig. Bereits während seines letzten Ausbildungsjahres als Krankenpfleger arbeitete er auf der Palliativstation. „Es war schön dort. Ich hatte keine Berührungsängste“. Und so blieb er.

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Das Sofa im vierten Stock


Foto: Carmen Mayer

 

Das Sofa im vierten Stock

Oktober 2017 kurz nach dem Nordderby zwischen Hamburg und Bremen – wir hatten einen wunderschönen Samstag mit gemeinsamem Grillen und Fußball. Es war das letzte Mal, dass ich meinen Freund Frankie lebend gesehen habe. Kurze Zeit später fand ich ihn tot in seinem Bett.

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Blumenschmuck für die letzte Reise


Foto: Frieda Schwarz

 

„Eine Maßanfertigung“ – Blumenschmuck für die letzte Reise

Blumen – gerade nach dem Tod eines Menschen ein wichtiges Zeichen von Mitgefühl und Anteilnahme. Zur Bestattung wird oft ein letzter Blumengruß geschickt und viele Trauergäste bringen eine Blume mit, die sie dem verstorbenen Menschen auf die letzte Reise mitgeben möchten.
Ganz besonderen Blumenschmuck für die letzte Reise gestaltet die Floristin Frieda Schwarz.Seit vielen Jahren hat sie sich auf diesen Bereich spezialisiert.

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Unterwegs in London


Foto: Carmen Mayer

 

Unterwegs in London – Auf den Spuren der englischen Fußballmemorialkultur

Vor einiger Zeit war ich im Rahmen des Projekts Trauer und Fußball unterwegs in London. Dabei bekam ich verschiedene Einblicke in die englische Fußballmemorialkultur. Unter anderem besuchte ich einen Verein, bei dem ein Teil der Asche der verstorbenen Fans hinter der Torlinie begraben werden kann.

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Hommage


Foto: Carmen Mayer

 

Hommage an meinen herzallerliebsten Freund und irgendwie auch an Leonard Cohen

„Wir machen alte Kisten auf, holen unsere Geschichten raus. Ein großer, staubiger Haufen Altpapier. Wir hören Musik von früher, schauen uns verblaste Fotos an, erinnern uns, was mal gewesen war.“ (Altes Fieber von den Toten Hosen)

Mein bester Freund starb im Dezember 2011. Dabei hatten wir die Verabredung, wenn wir alt und grau sind, im Rollstuhl Wettrennen zu fahren. Es war kurz nach Nikolaus als seine Mutter anrief und sagte, dass er tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Neben ihm lag mein Geburtstagsgeschenk an ihn.

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Trauerkunst


Foto: Pavel Radchenko

 

Trauerkunst – Erinnerungsstücke aus Alltagsgegenständen von Verstorbenen

Vor einiger Zeit traf ich Pavel. Er ist Künstler und Philosoph und hat ein ganz besonderes Herzensprojekt: Gemeinsam mit Trauernden gestaltet er aus persönlichen, materiellen Dingen und den nicht mehr gebrauchten Alltagsgegenständen der Verstobenen ein künstlerisches Erinnerungsstück.

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Gabis Handtuch in Amerika


Foto L.C.

 

Gabis Handtuch in Amerika

Gabi starb im August, plötzlich und unerwartet, mit 49 Jahren.
Ihre Lebensgefährtin erzählt: „Gabi hatte alles mit Katzenmotiven. Handtücher, Topflappen, eben einfach alles. Das waren kleine Unikate, schöne Sachen. Dann gibt es dieses eine große, rote Badehandtuch mit Katze.

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Wie stirbt man eigentlich?


Foto: K.S.

„Wie stirbt man denn eigentlich? Ich weiß gar nicht wie das geht.“

Nach längerer Zeit wollte ich mich endlich wieder einmal mit meiner Kollegin, Sterbe- und Trauerbegleiterin sowie Hospizkoordinatorin, treffen. Es war ein Tag, an dem eine frische Brise, die drückende Sommerhitze ein klein wenig unterbrochen hatte und wir saßen auf gelben Sesseln im Schatten eines Straßencafés. Vor vierzehn Tagen ist eine gute Freundin meiner Kollegin gestorben und eines der vielen Gespräche, die sie zusammen hatten, bewegte meine Kollegin sehr in ihrem Herzen.

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Ein Nachmittag mit Rita


Foto: Carmen Mayer

 

Ein Nachmittag mit Rita

Vor kurzem traf ich Rita. Wer Rita sieht, kommt nicht auf die Idee, dass sie in Rente sein könnte. Eine schlanke, agile, fröhliche Frau mit einem frechen Kurzhaarschnitt sitzt mir im Café gegenüber. Rita hat in den 1970er Jahren eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester gemacht und viele Jahre auf der Kinderintensivstation gearbeitet. Dort hat sie viele Kinder beim Sterben begleitet.

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Ein Stück Kuchen und Sterben


Foto: Carmen Mayer

 

Ein Stück Kuchen vor dem Sterben

Montagmorgen im Sport. An der Wand hängt ein Plakat mit „Bauch-weg“-Werbung. Da kommt eine Bekannte um die Ecke und sagt zu mir und dem Plakat: „Ich verzichte schon auf vieles, aber mal ein oder zwei Kilo hin oder her, das ist mir egal. Ich genieße auch gerne. Das tut gut!“ Ich nicke zustimmend und meine ganz trocken zu ihr, dass ich auf keinen Fall sterben möchte, bevor ich nicht noch ein dickes Stück Kuchen gegessen habe. Sie schaute mich kurz irritiert an, muss dann aber herzhaft lachen.

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Nicht alleine in der Trauer


Foto: marwi

 

Nicht alleine in der Trauer – Trauergruppen

Wenn meine quirlige Trauerbegleiterkollegin aus Niedersachen von ihrer Arbeit berichtet, dann hat man hinterher das Gefühl, dass man sehr gerne eine ihrer Trauergruppen besuchen würde. Mit viel Herz und Leidenschaft bietet sie verschiedene Gruppen an und entwickelt immer neue Ideen.

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Waschen, Schneiden und Fönen


Foto: Carmen Mayer

 

Waschen, Schneiden, Fönen

Als vor vielen Jahren mein Sohn gerade gestorben war, saß ich in meinem Kiez beim Friseur auf dem Stuhl und mußte ganz plötzlich schrecklich weinen. Meine damalige Friseurin reichte mir ein Taschentuch und sprach ein paar liebe Worte. Einige Zeit später ging ich, um eine neue Frisur reicher und reicher um eine Geste an Anteilnahme und Mitgefühl.

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